München und Alpenvorland
Einfach frei sein. Zumindest innerhalb der Bundesrepublik Deutschland, mit einem 37 Euro-Ticket der DB. Bummelzug fahren, es dauert, man kommt nicht wirklich schnell voran, aber man hat ja Zeit. Frei sein und so. Einfach kaufen, und mal zum nächsten großem Bahnhof fahren, nach Dresden, dort einen lustigen Zug aussuchen, 2 Stunden Aufenthalt. Stadtbummel durch Dresden, beim ersten Mal war das Ganze irgendwie beeindruckender.
Dann nach Nürnberg. Dort den Turm und schöne alte Häuser gesehen in der letzten Abendsonne, weiter nach München. Es wird dunkel. Einen ganzen Tag nur Zug gefahren. Dabei handelt es sich um eine ziemlich anstrengende Art des Nichtstuns. Die Klimaanlage nervt. Ich glaub ich schwitz und stinke eigentlich lieber in uralten Zügen als tiefgekühlt transportiert zu werden. München dann. Zwar immer noch Regen, aber es ist wenigstens nicht mehr kalt. Wärme.
Am nächsten Tag dann endlich Sonne. Und vorbei am Justizgebäude zum Karlsplatz / Stachus, durch die Fußgängerzone zum Marienplatz. Und überall stehen Musikgruppen, Musiker, die Menschenmassen mit ihrer Musik anlocken. Musiker, die spielen können. Am Marienplatz altes und neues Rathaus beschaut, weiter zum Viktualienmarkt, Metzger an Metzger zum Hofgarten und in den Englischen Garten. Dort, auf dem künstlichen Wildbach, trotz eines „Baden und Surfen Verboten“-Schildes, warten Surfer auf die Welle, reiten auf der Strömung und lassen sich dann treiben.
Eine erfrischende Abkühlung bei der Hitze.
Am nächsten Tag haben wir dann das Deutsche Museum in München besichtigt – echt cool, was es da alles gibt: Flugzeuge, Schiffe, eine Kopie von einer Höhle mit Steinzeithöhlenmalerei, Mathematik und viel mehr, viel zu viel für einen Tag und einen Kopf.
Vom Olympiaturm im Olympiapark haben wir dann eine wunderbare Aussicht über die ganze Stadt genossen, und den Abend am Sendlinger Tor und in Schwabing ausklingen lassen.
Und dann: Schnauze voll von Stadt und Menschenmassen, von Lärm und Hupen. 20kg Rucksack auf dem Rücken gen Süden, gen Alpen. Ein, zwei Straßenzüge die Straße entlang der Isar, dann in die Isarauen auf Trampelpfaden durch die Wiesen, durch Geröllfelder des Bergbaches.
Nach weniger als einer Stunde ist die Großstadt fast vergessen. Mal an der Isar, mal oberhalb der Isar durch den Wald, immer weiter, immer weiter ins Grüne, immer weiter zu den Alpen. Nach 25km ist dann irgendwann Schluss. Aus. Vorbei.
Ich mag nicht mehr, und wir laufen nicht mehr weiter, sondern suchen uns ein Zimmer.
Aber mal zu Fuß über oder durch die Alpen – das wär mal was 
Der nächste Tag ist dann wieder gechillter: Wir haben eingesehen, dass wir in drei Tagen nicht bis zu den Alpen gelangen werden, und gehen stattdessen zu den Isarstränden: Schwimmen in der Isar. Mit der Strömung schwimmen geht unglaublich schnell, gegen die Strömung schwimmen ist (mir) unmöglich. Schließlich reißt einen der Fluss auch so im stehen fast um.
Freitag dann mit der S-bahn zum Starnberger See. Irgendwie ist der Chiemsee schöner, aber wir sehen am Horizont Berge. Alpen. Schön. Abends dann zurück in München, in der Fußgängerzone stehen bestimmt hundert Menschen um eine Musiktruppe mit Flügel, Chello, Kontrabass, Geige und Querflöte versammelt und hören begeistert den bekannten klassischen Stücken zu. Technisch nicht perfekt, aber dafür mit Leidenschaft gespielt. Bis…es donnert und blitz und regnet und gießt und pladdert. Weltuntergang und so. Obwohl wir unter einem 40m langen Überbau stehen, peitscht uns der Regen nur so um die Ohren. Der arme Flügel. Und nach dem Unwetter ist es plötzlich kalt, wir gammeln bis um 2 Uhr in der Frühe am Bahnhof rum, dann kommt der Zug. Erst mal nach Augsburg, der RE ist gut gefüllt, erstaunlich, wie viele Leute so billig durch Deutschland reisen, viele davon fahren bis NRW weiter. Mein Rucksack ist mittlerweile leicht geworden, alle Klamotten (Top, Tshirt, Pulli1, Pulli2, Jacke) haben wir übereinander gezogen und es ist immer noch kalt. In Treuchtlingen 40 Minuten Aufenthalt, doch der Zug steht schon da, alle staunen: Alles 1. Klasse Abteile. Doch irgendwann entdecken die ersten die Pappschilder an den Türen: 2. Klasse. Müffelnde, alte 1. Klasse Abteile aneinandergekoppelt, immerhin sind da drei Sitze nebeneinander. Schlafen. Es ist schließlich schon um drei Uhr in der Frühe. Aber nicht der Wecker weckt uns, sondern die Kälte. Eisig. Warum hab ich keine Decke dabei? *klapper*
Im nächsten Zug reißen erfahrene Nachtfahrer erstmal die Fenster auf, schicken uns ins nächste Abteil und meinen „Stellt halt die Heizung hoch, wenn ihr friert“. Gesagt, getan.
Umsteigen in Würzburg, Hanau, Friedberg, Gießen, Köln und dann: zu Hause. Müde und erschöpft. Aber was erlebt.
Nachtrag: Die Bayern sind ja schon komisch – so was gibt es sonst nirgends, oder?
