Am Samstag um 4:45 wachte ich nach nur drei Stunden Schlaf auf – bereit um mit dem ICE nach Süden, gen Schweiz, zu fahren. Köln, Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg, Basel. Mittlerweile ist es Mittag geworden und am Horizont sind erste, schneebedeckte Gipfel zu sehen. Berge. Alpen. Mit ICs der Schweiz, die eher an deutsche Res erinnern geht es weiter, über Bern, Visp und Täsch nach Zermatt.
Unsere Ferienwohnung liegt weit -30min schnellen Schritts- über dem Ort und ist nur über einen schmalen Fußweg zu erreichen. Also schnappen wir uns den Gepäckkarren und ziehen mit diesem ins Dorf, zum Bahnhof. Da Zermatt autofreie Zone ist werden wir auf den schmalen Gassen nur von E-Autos überholt. Direkt am Bahnhof steht dann auch der große Supermarkt, wo wir erst einmal für die nächsten zwei Tage einkaufen. Mit all den Einkaufen und dem ganzen Gepäck brauchen wir nun bergauf deutlich länger – und genießen endlich angekommen, auf unserem Balkon den gigantischen Ausblick aufs Matterhorn.

Die nächsten Tage sind recht abwechslungsreich: Wir laufen nach Findeln, fahren mit der Gornergratbahn auf 3089m.ü.M hinauf und wandern über Riffelberg und Riffelalp bergab nach Zermatt (1600m ü. M.). Am nächsten Tag genießen wir auf unserem Balkon die Sonne, liegen herum, spielen Karten – Skat, Doppelkopf, Wizzard – und mampfen Kekse.
Die heutige Wanderung war eine Monstertour: Wir fahren hinauf zum Trockenem Steg (2939m), laufen drei Stunden nach Schwarzsee (2583m) und steigen hinab nach Furri (1867m).

Allerdings findet mein Vater eine Abkürzung, einen trampelpfad den Steilhang gerade hinab, und glaubt, dass wenn er diesen Weg zügig mit Rucksack schafft, wir das das auch hinbekommen. Ich weiß jetzt aber immerhin, dass ich so was in diesem Tempo nicht schaffe, dass ich den Hang generell schon verdammt steil fand und dass man seine Grenzen im Gebirge auch klar erkennen können muss.
Jedenfalls war ich nach dieser Tour komplett fertig und zwei Tage später sind meine Knie derart blau, als das ich wohl oder übel zu Hause bleiben muss. Aber immerhin hab ich vom Balkon eine prima Aussicht auf die Berge, werde braun und blond und weiß nun, dass es nichts bringt die Füße parallel zum Berg beim Hinabsteigen zu haben. Der Berg sieht zwar weniger monströs aus, aber die Knie sind diese Art von Belastung noch weniger gewohnt und können sie so noch schlechter ab.
Tags darauf lassen wir es wieder eher ruhig angehen – wandern zum Almdörfchen Blatten durch die Gornergorge (Gornerschlucht) – beeindruckende Wassermengen fließen durch die Schlucht, die man auf schmalen Steigen durchquert. In Blatten ist der Ricola-Kräuter-Garten mit einer lustigen Rallye zu den ganzen verschiedenen Kräutern: Pfefferminze, Orangenminze, Thymian, Salbei, Holunder, Ehrenpreis, Spitzwegerich und vielen mehr.
Sonntag und Montag ist draußen eine einzige trübe Wolkensuppe. Es regnet, die Wolken wabern umher und die Berge sind verschwunden. Das Matterhorn taucht ab und an aus den Wolken auf – mit einer frisch gepuderten Spitze.
Erst ab Dienstag ist das Wetter wieder genial: Blauer Himmel, Sonnenschein und warm, aber nicht heiß. Ideales Wanderwetter, das genutzt werden muss: Wir erwandern das Tal mit dem Dörfchen Z’mutt und fahren am folgenden Tag hinauf aufs kleine Matterhorn (3883 m.ü.M.),

wo wir eine wunderbare Aussicht über mehr als 30 Viertausender genießen und das Matterhorn selbst nur noch ein Gipfel unter vielen ist. Wir laufen ein bisschen durch den Schnee, lassen uns vom Wind durchpusten, frieren, genießen die Aussicht und schauen im Gletscherpalast vorbei – ein Gletscher wurde im Inneren ausgehölt und ist begehbar. Ewiges, blau schimmerndes Eis und Gletscherspalten mal aus einer anderen Perspektive, von innen statt von oben, schon verdammt beeindruckend.
Am letzten Tag sind wir von der Sunnega über den Leisesee zum Stellisee zum Grünsee zur Riffelalp gewandert, wobei wir allerdings zweimal an ganz besonders tollen Plätzen pausiert haben: Erst auf Steinen in einem Gebirgsbach – eiskaltes und klares Wasser, eine Wohltat nach den warmen Wanderschuhen, und dann im Grünsee –PLATSCH!- im kalten Gebirgssee toben, spritzen, schwimmen und dann nichts wie weiter, denn dunkle Wolken sitzen ums im Rücken.

Ich mag Berge. Ich mag die Größe, in deren Angesicht der Mensch klein, machtlos und unbedeutend ist. Ich mag es, die enorme Schönheit und Rauheit der Natur zu erleben, die stärker ist als der Mensch. Ich mag es mich unter dem nahem Himmel frei zu fühlen, ich mag die Gipfelkreuze, die Kapellen am Wegrand, die zu jeder Tageszeit geöffnet sind und wo immer mal wieder jemand einkehrt, ich mag diese Welt, in der Gottes Anwesenheit konstant spürbar ist, wo er einfach im Alltag offensichtlich allgegenwärtig ist.
Hier kommt der Mensch nicht auf die Idee, dass er allzu viel Macht hat, zu sehr ist er auf gutes Wetter, auf keine Steinschläge, keine Lawinen und Moränen angewiesen. Hier ist der Mensch einfach nur Mensch.
Ein letzter Blick zurück auf die hohen Berge, aufs Matterhorn – und dann heißt es Abschied zu nehmen. Aus den Bergen hinfort, hinweg von den immer weißen Gipfeln.
So fahren wir dann nach Hause, die Berge sind aufgrund der Wolken nicht zu sehen, und die Zahnradbahn fährt immer weiter bergab.