justadreamer

März 30, 2010

Konvertieren – Teil 1

Filed under: Geschriebenes,Persönliches,Religion — Julchen @ 2:01 pm

Bald 9 Monate ist es her, dass ich beschlossen hatte, dass ich glaube und Christ bin – mich aber mit der katholischen Sicht der Dinge nicht mehr anfreunden kann.  Dann begann das Semester,  Semesterstress, und ich beschloss irgendwann in den Semesterferien dieses Projekt mal in Angriff zu nehmen…

Meine Profs sahen in dieser Tatsache auch kein Problem – wer evangelische Theologie studiere, könne ruhig auch einer indianischen Stammesreligion anhängen und konstatierte, dass man Konfessionen schließlich nicht wie die Unterwäsche wechseln tut.

In der Tat.  Und trotzdem – mein Entschluss stand fest. So eilte ich heute morgen zur Bushaltestelle (der Busfahrer wartete netterweise auf mich während ich die letzten 100m zurücklegte) und fuhr in die Kreisstadt zum Amtsgericht. Der Pförtner röntgte meine Tasche in der Sicherheitskontrolle, alles ganz wie beim Flughafen, und kassierte dann mein Handy ein… Nunja.  Zwei Stockwerke höher erledigte ich dann die Formalitäten (Perso vorzeigen,  unterschreiben) und wurde dann zur Kasse ins Erdgeschoss geschickt: 30 Euro. Nun, das waren mir die 30 Euro wert. Mit dem Beleg vom Zahlungsinspektor zurück, Bescheinigung erhalten, und ab nach Hause…

Augenblicklich also konfessionslos…

März 18, 2010

Wir müssen nicht Fallschirmspringen…

Filed under: Alles,Alltag,Persönliches,Studium — Julchen @ 11:49 pm

um unseren Andrenalinspiegel nach oben zu pushen. Wir brauchen keine Mutproben, keine Schlägereien, kein Free-Climbing, und kein Kite-Surfing.  Kein Bungee-Jumping. Wir lernen Griechisch. Wir zittern gemeinsam den Stunden entgegen, dem erbarmungslosem Abfragen und dem gefürchteten “Ah.. Frau xxx”, und jubilieren heimlich, wenn das Unglück uns an einem Tag mal verschont.

Wir machen unser Graecum.  Eigentlich eine sehr befremdliche Idee. Aber sicher toll, wenn mans kann :) Und so werden mich diverse Zeiten, Vokabeln etc auch über das nächste halbe Jahr treu begleiten.

Und: Latein?! Lächerlich! Altgriechisch – welcome to the next level!

November 29, 2009

Können nur Wollen, Wollen nur Können

Filed under: Persönliches,Philosophisches — Julchen @ 6:38 pm

Es geht nicht darum, was wir Können können. Es geht darum, was wir Wollen. Nicht möchten, sondern Wollen. Denn wenn wir wollen, können wir alles Können und noch viel mehr. Dabei geht es nicht um unrealistische Zielsetzungen, sondern um optimales Timing, das beinhaltet, sich auch Zeit für Dinge nehmen zu können, für die man eigentlich gar keine Zeit hat.
Können nur Wollen, wir können gar nichts, wenn wir es nicht Wollen.
Aber Wollen nur Können, wenn wir wollen, können wir es schaffen. Zwar nicht zwingend, es liegt immer noch an uns, aber es ist möglich. Und auch Wollen, Können, Zielsetzungen, Timing und sich Zeit nehmen kann man trainieren. Wenn man nur will.
Wir können alles schaffen, wenn… ;)

Oktober 27, 2009

38 SWS – Verrückt?!?

Filed under: Alles,Lebendig,Persönliches,Spass am Leben,Studium — Julchen @ 11:48 am

Studium kommt von studere (lat) -sich bemühen, sich befassen mit, ein verschultes Studium, dass schulähnlich abläuft und keine intellektuelle Herausforderung darstellt, ist also kein Studium.

Auf der Suche nach Herausforderungen – wobei die größte momentan die Prüfungsordnungen darstellen dürfte – findet sich Wissen in schier unbegrenzter Form.

Von jetzt an werde ich die Welt durch die Augen eines Erstis sehen, der sich manchmal verläuft, (mittlerweile aber kaum mehr) und sich an der Uni schon richtig wohlfühlt.. ;)

September 22, 2009

Herbst

Filed under: Alles,Geschriebenes,Lebendig,Persönliches,Philosophisches — Julchen @ 11:52 pm

Die Blätter werden bunt, die Blätter fallen, Nebel wallen.
Jeden Tag ein bisschen mehr, alles verändert sich, ist im Fluss, und doch kann man diesen Vorgang der Veränderung nicht beobachten, aber eins steht fest: Der Sommer ist vorbei.
Was bleibt sind die bunten, farbenfrohen Blätter, die bald braun werden.
herbstlaubklein
Blätter für Laubschlachten und für Laubhaufen; die ersten Blätter sind gefallen, in zwei Wochen reichen sie für Laubschlachten und Laubhaufen. Den Herbst um sich schleudern und sich in den Herbst fallen lassen, sich im Herbst verlieren und so. Wer ist Kind und Mensch genug und ist dabei?
Im Herbst ist der Himmel klar und blau oder grau in grau.
Im Herbst verblasst was war.
Altes geht und Neues kommt, mit dem Sommer verschwindet das Gefühl der unbegrenzten Freiheit. Doch die Angst vorm Loslassen des Alten, des Sommers und die Angst vor Neuem, die freudig erregt, die bleibt.
Der Herbst ist eine Zeit der Zwiespältigkeit.
Nicht Sommer, nicht Winter.
Herbst.

September 2, 2009

Zukunftsvisionen

Filed under: Alles,Lebendig,Persönliches,Philosophisches — Julchen @ 11:35 am

“Ich hab tausend Visionen, vom Leben, die sich alle lohnen”…(Wise Guys)
In der Tat: Ich habe viele Pläne. Pläne, die einander ausschließen. Ich möchte mit Mathematik und Menschen arbeiten, vielleicht mit Schülern, vielleicht als Lehrerin. Ich würde gerne die Macht haben, Dinge verändern zu können.
Ich möchte lebendig sein um in Großen und im Kleinen verbessern zu können.
Meine Pläne sind klein und groß, größenwahnsinnig und bodenständig. Ich möchte lebendig leben und irgendwann wissen, wie ich mein Leben gestalten will. Ich will wissen, dass ich zu meiner Entscheidung stehe, bevor ich alle zugehörigen Konsequenzen schlucken muss. Ich will wissen, wohin mich mein Lebenführt, und ob der Weg, den ich gehe, der Richtige ist.

August 26, 2009

Dem Himmel ganz nah

Fuß vor Fuß.  Schritt um Schritt weiter bergauf, durch Wiesen und Almen, erst durch Wald, über reißende Bergbäche, dann durch Schutt und Geröllhalden, an Gletschern, ewigem Eis und tiefblauen Seen vorbei.

Über uns der wolkenlose, blaue Himmel, die Berggipfel, die Freiheit. Im Gesicht die Wärme der Sonne, drumrum der kalte Wind.  Unter den Füßen die kargen Steinwüsten, die halt geben.

Riesengroße Natur, in der die Unbedeutsamkeit des Menschen deutlich wird. Irgendwo zwischen Himmel und Erde, ist der Mensch ganz klein. Dem Himmel ganz nah, sich Gottes Gegenwärtigkeit bewusst, überall am Wegrand offene Kapellen, Psalmen und Sprüche, Bibelzitatate oder ein einfaches, in einen Stall geritztes “Danke Jesus”.

Ich fühl mich in den Bergen wohl und frei und ganz nah bei Gott. Geborgenheit in unendlicher Freiheit.

August 24, 2009

Zelten an der Nahe

Filed under: Alles,Geschriebenes,Lebendig,Persönliches,Spass am Leben — Julchen @ 10:53 pm

Bei brüllender Hitze steige ich in den RB nach Köln, der mäßig klimatisiert ist – nicht zu kalt und nicht zu warm. Nach kurzer Pause zum Umsteigen in Köln erfolgt die Weiterfahrt in einem uraltem IC nach Mainz, der gar nicht klimatisiert ist und die alte Rheinstrecke mit wunderbarer Aussicht entlang tuckert: Sämtliche Berge, Schlösser, die Loreley sowie Last- und Fährschiffe sind zu betrachten, während der Fahrtwind am offenem Fenster die Haare verwuschelt. In Mainz geht es dann erstmal zum Löwen, wo es nach einer herzlichen Begrüßung und Beschnuppern :P Deutschländer mit Kartoffelsalat zum Abendessen und einen Film (Minority Report) als Betthupferl gibt. Und vom Balkon sieht man Sonne über Mainz untergehen…
Der nächste Tag beginnt mit Kaffee und Brötchen zum Frühstück, dem Einkauf von Wasser und Apfelschorle bei Real zur Sicherung der Wasserversorgung während der folgenden Tage und dem Einpacken ins Auto, das durchaus eine mittelgroße Herausforderung darstellt: 3 Zelte, Gasflasche, Grill, Taschen, Decken, Isomatten, Geschirr, Gitarre, Schuhe, etc. – alles musste verstaut werden. Gegen Mittag gelang uns auch dieses Kunststück und wir brachen auf zum Zeltplatz, zur Nahe, den wir aufgrund des Nawis sogar recht schnell fanden. Dort zelteten wir letztlich auf einer fussballfeldgroßen Wiese, wo Begrenzungshecken Schatten spenden, nur dafür haben wir halt kein Wasser und kein Strom am Platz.
Allerdings hatten wir einen prima Kühlschrank – eine mit Wasser gefüllte Corverbox, in der die Temperatur teilweise auf 25° Celsius stieg. Aber immerhin war es im unserem Kühlschrank 12° kühler als die Lufttemperatur, so dass es immer kühle Getränke gab. Am ersten Abend grieschichen Salat mit Fleisch; und die Abendessenzubereitung erfolgte (zur voller Zufriedenheit aller) in der klassischen Rollenverteilung: Wir Mädels schnibbelten den Salat in die Spülschüssel, während die Kerle grillierten. Mit gemütlichem Beisammensein bei Tee im Licht der Fackeln beendeten wir diesen Tag unter klarem Sternenhimmel.
Brot, leicht angelaufene Margarine, Nutella, Marmelade, Tomatenmark, Kaffee und Tee zum Frühstück – bevor wir die Mittagshitze an und in der Nahe verbrachten.

Nachmittags flogen wir aus, nach Bad Sobernheim zum Barfusspfad – der mit einem Lehmmatschbecken =) begann und mit einer Wasserseilbahn bzw. einer Hängebrücke endete – und im Anschluss zogen wir los: Mit 4 Löffeln bewafffnet kauften wir eine große Packung Eis (Fürst-Pückler-Art), die wir in der Fußgängerzone sitzend verspeisten – unter neidischen, teils aber auch unverständlichen Blicken der Passanten. Später gibt es zum Abendbrot Nudeln mit Tomatensoße.
Am Donnerstag ist es schon morgens schier unerträglich heiß, wir besichtigen mittags ein altes Kupferbergwerk in Fischbach, mit einer sehr interessanten Führung; und tief im Innerem des Berges lässt sich die Hitze vergessen. Abends wird nach einem abkühlendem Bad in der Nahe gegrillt, und der Nachtwächter kommt vorbei und warnt uns vor dem aufziehendem Gewitter. Wir warten, führen Diskussionen (was passiert, wenn wir ein Loch bis zum Pazifik buddeln? Läuft das voll Wasser?“) gehen irgendwann schlafen, bis um zwei sind nur in der Ferne Blitze zu sehen (hames behauptet der Blitz gehe von unten nach oben, der Blitz tut aber beides ;) –wieder was gelernt) , erst um halb vier beginnt der Regen, das Donnern, der Wind. Wir folgen dem Rat des Nachtwächters und begeben uns ins Waschhaus. Doch ich hab schon vorher kalt geduscht: Das Wasser unseres Zeltvordaches hat sich über mich ergossen. Im Waschhaus warten wir das Schlimmste ab, der Nachtwächter bewacht die Nacht, und das größte Unwetter verschont uns: Kein Sturm, kein Hagel, nur Regen, und am nächsten Morgen ist unser Mädels-Zelt ein Planschbecken. Der Himmel ist immer noch bewölkt, es regnet, es nieselt und zwischendurch schüttet es. Es ist bereits Mittag, es gibt kein Kaffee, kein Tee, kein Frühstück. Die Isomatten schwimmen, die Schlafsäcke sind nass, zwar soll das Wetter besser werden, doch wir wollen jetzt trocknen, kochen, schlafen, essen, und zwar nicht in einem Planschbecken. Eine Tafel Schokolade ist Frühstück und Mittagessen in einem, vorne an der Rezeption trinken wir noch einen großen Kaffee (mit unverschämt viel Kakaopulver :D), zahlen unseren Platz und beginnen im Nieselregen unsere nassen Sachen einzupacken um nach Mainz zurück zufahren. Dort ist das Wetter besser, wir trocknen die Klamotten im trockner und auf dem Löwen-Balkon, spielen abends Wizzard und Skip-Bo und grillen mit dem Camping-Grill aufm Balkon. Urlaub auf Balkonien und so.
Am nächstem Morgen werden verschiedene (mehr oder weniger ) intelligente Fakten konstatiert:
1. hames lässt sich nicht gerne kitzeln und sagt immer „Nicht hier, nicht jetzt, nicht heute“.
2. hames ist der Herr des Grills.
3. Die Margarine, die Rama, verändert ihre Konsistenz und ihren Geschmack in Abhängigkeit von Zeit und Temperatur: Sie trennt sich in ihre Bestandteile auf, wird flüssig, läuft durchs Auto, wird bergig, wird wieder fest. Nach einiger Zeit weißt die Margarine eine nicht unerhebliche Fleischbeilage auf, es handelt sich hierbei um Margarine mit pflanzlichen Proteinen, oder um nichtvegetarische Margarine. Guten Appetit!
4. Der Kaffee wird von Tag zu Tag stärker. 5 EL / Liter sind trinkbar. Das, was obendrauf schwimmt ist kein Fett, das auf mangelnde Spülkenntnissee hinweist, sondern lediglich ein Zeichen für starken Kaffee.
5. Inkonsequent: Metaller, die keine schwarzen Brötchen essen. (by Momoko) :hehehehe:

Die letzten Urlaubstage verbringen wir mit Ligretto – Ligretto START, Ligretto STOP – spielen am Rheinufer Uno und Momo und ich stellen fest: Trotz extremer Unmusikalität lässt es sich gemeinsam singen, sobald der erste Lachkrampf, verursacht durch Kackophonie, überwunden ist. Und wer unmusikalisch ist, stört sich wenigstens nicht an einer total verstimmten Gitarre, alles hat seine Vorteile ;).
Der Sonntag beendet unseren Urlaub mit einem arg tollen Gottesdienst in der FeG Mainz und die Heimfahrt beginnt: Ich finde im Zug einen Sitzplatz in Fahrtrichtung, inmitten einer bechernden und futternden Seniorengruppe, die ihren Selbstgebrannten und ihre Klopfer großzügig im Abteil verteilt…Mainz-Koblenz-Bonn-Köln-Solingen-Zuhause.

August 10, 2009

Zwei Wochen Bergfeuer

Filed under: Alles,Blog,Geschriebenes,Lebendig,Persönliches,Spass am Leben — Julchen @ 9:04 pm

Am Samstag um 4:45 wachte ich nach nur drei Stunden Schlaf auf – bereit um mit dem ICE nach Süden, gen Schweiz, zu fahren. Köln, Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg, Basel. Mittlerweile ist es Mittag geworden und am Horizont sind erste, schneebedeckte Gipfel zu sehen. Berge. Alpen. Mit ICs der Schweiz, die eher an deutsche Res erinnern geht es weiter, über Bern, Visp und Täsch nach Zermatt.
Unsere Ferienwohnung liegt weit -30min schnellen Schritts- über dem Ort und ist nur über einen schmalen Fußweg zu erreichen. Also schnappen wir uns den Gepäckkarren und ziehen mit diesem ins Dorf, zum Bahnhof. Da Zermatt autofreie Zone ist werden wir auf den schmalen Gassen nur von E-Autos überholt. Direkt am Bahnhof steht dann auch der große Supermarkt, wo wir erst einmal für die nächsten zwei Tage einkaufen. Mit all den Einkaufen und dem ganzen Gepäck brauchen wir nun bergauf deutlich länger – und genießen endlich angekommen, auf unserem Balkon den gigantischen Ausblick aufs Matterhorn.

Die nächsten Tage sind recht abwechslungsreich: Wir laufen nach Findeln, fahren mit der Gornergratbahn auf 3089m.ü.M hinauf und wandern über Riffelberg und Riffelalp bergab nach Zermatt (1600m ü. M.). Am nächsten Tag genießen wir auf unserem Balkon die Sonne, liegen herum, spielen Karten – Skat, Doppelkopf, Wizzard – und mampfen Kekse.
Die heutige Wanderung war eine Monstertour: Wir fahren hinauf zum Trockenem Steg (2939m), laufen drei Stunden nach Schwarzsee (2583m) und steigen hinab nach Furri (1867m).

Allerdings findet mein Vater eine Abkürzung, einen trampelpfad den Steilhang gerade hinab, und glaubt, dass wenn er diesen Weg zügig mit Rucksack schafft, wir das das auch hinbekommen. Ich weiß jetzt aber immerhin, dass ich so was in diesem Tempo nicht schaffe, dass ich den Hang generell schon verdammt steil fand und dass man seine Grenzen im Gebirge auch klar erkennen können muss.
Jedenfalls war ich nach dieser Tour komplett fertig und zwei Tage später sind meine Knie derart blau, als das ich wohl oder übel zu Hause bleiben muss. Aber immerhin hab ich vom Balkon eine prima Aussicht auf die Berge, werde braun und blond und weiß nun, dass es nichts bringt die Füße parallel zum Berg beim Hinabsteigen zu haben. Der Berg sieht zwar weniger monströs aus, aber die Knie sind diese Art von Belastung noch weniger gewohnt und können sie so noch schlechter ab.
Tags darauf lassen wir es wieder eher ruhig angehen – wandern zum Almdörfchen Blatten durch die Gornergorge (Gornerschlucht) – beeindruckende Wassermengen fließen durch die Schlucht, die man auf schmalen Steigen durchquert. In Blatten ist der Ricola-Kräuter-Garten mit einer lustigen Rallye zu den ganzen verschiedenen Kräutern: Pfefferminze, Orangenminze, Thymian, Salbei, Holunder, Ehrenpreis, Spitzwegerich und vielen mehr.
Sonntag und Montag ist draußen eine einzige trübe Wolkensuppe. Es regnet, die Wolken wabern umher und die Berge sind verschwunden. Das Matterhorn taucht ab und an aus den Wolken auf – mit einer frisch gepuderten Spitze.
Erst ab Dienstag ist das Wetter wieder genial: Blauer Himmel, Sonnenschein und warm, aber nicht heiß. Ideales Wanderwetter, das genutzt werden muss: Wir erwandern das Tal mit dem Dörfchen Z’mutt und fahren am folgenden Tag hinauf aufs kleine Matterhorn (3883 m.ü.M.),

wo wir eine wunderbare Aussicht über mehr als 30 Viertausender genießen und das Matterhorn selbst nur noch ein Gipfel unter vielen ist. Wir laufen ein bisschen durch den Schnee, lassen uns vom Wind durchpusten, frieren, genießen die Aussicht und schauen im Gletscherpalast vorbei – ein Gletscher wurde im Inneren ausgehölt und ist begehbar. Ewiges, blau schimmerndes Eis und Gletscherspalten mal aus einer anderen Perspektive, von innen statt von oben, schon verdammt beeindruckend.
Am letzten Tag sind wir von der Sunnega über den Leisesee zum Stellisee zum Grünsee zur Riffelalp gewandert, wobei wir allerdings zweimal an ganz besonders tollen Plätzen pausiert haben: Erst auf Steinen in einem Gebirgsbach – eiskaltes und klares Wasser, eine Wohltat nach den warmen Wanderschuhen, und dann im Grünsee –PLATSCH!- im kalten Gebirgssee toben, spritzen, schwimmen und dann nichts wie weiter, denn dunkle Wolken sitzen ums im Rücken.

Ich mag Berge. Ich mag die Größe, in deren Angesicht der Mensch klein, machtlos und unbedeutend ist. Ich mag es, die enorme Schönheit und Rauheit der Natur zu erleben, die stärker ist als der Mensch. Ich mag es mich unter dem nahem Himmel frei zu fühlen, ich mag die Gipfelkreuze, die Kapellen am Wegrand, die zu jeder Tageszeit geöffnet sind und wo immer mal wieder jemand einkehrt, ich mag diese Welt, in der Gottes Anwesenheit konstant spürbar ist, wo er einfach im Alltag offensichtlich allgegenwärtig ist.
Hier kommt der Mensch nicht auf die Idee, dass er allzu viel Macht hat, zu sehr ist er auf gutes Wetter, auf keine Steinschläge, keine Lawinen und Moränen angewiesen. Hier ist der Mensch einfach nur Mensch.
Ein letzter Blick zurück auf die hohen Berge, aufs Matterhorn – und dann heißt es Abschied zu nehmen. Aus den Bergen hinfort, hinweg von den immer weißen Gipfeln.
So fahren wir dann nach Hause, die Berge sind aufgrund der Wolken nicht zu sehen, und die Zahnradbahn fährt immer weiter bergab.

Juli 22, 2009

München und Alpenvorland

Filed under: Alles,Lebendig,Persönliches,Spass am Leben — Julchen @ 10:42 pm

Einfach frei sein. Zumindest innerhalb der Bundesrepublik Deutschland, mit einem 37 Euro-Ticket der DB. Bummelzug fahren, es dauert, man kommt nicht wirklich schnell voran, aber man hat ja Zeit. Frei sein und so. Einfach kaufen, und mal zum nächsten großem Bahnhof fahren, nach Dresden, dort einen lustigen Zug aussuchen, 2 Stunden Aufenthalt. Stadtbummel durch Dresden, beim ersten Mal war das Ganze irgendwie beeindruckender.
Dann nach Nürnberg. Dort den Turm und schöne alte Häuser gesehen in der letzten Abendsonne, weiter nach München. Es wird dunkel. Einen ganzen Tag nur Zug gefahren. Dabei handelt es sich um eine ziemlich anstrengende Art des Nichtstuns. Die Klimaanlage nervt. Ich glaub ich schwitz und stinke eigentlich lieber in uralten Zügen als tiefgekühlt transportiert zu werden. München dann. Zwar immer noch Regen, aber es ist wenigstens nicht mehr kalt. Wärme.
Am nächsten Tag dann endlich Sonne. Und vorbei am Justizgebäude zum Karlsplatz / Stachus, durch die Fußgängerzone zum Marienplatz. Und überall stehen Musikgruppen, Musiker, die Menschenmassen mit ihrer Musik anlocken. Musiker, die spielen können. Am Marienplatz altes und neues Rathaus beschaut, weiter zum Viktualienmarkt, Metzger an Metzger zum Hofgarten und in den Englischen Garten. Dort, auf dem künstlichen Wildbach, trotz eines „Baden und Surfen Verboten“-Schildes, warten Surfer auf die Welle, reiten auf der Strömung und lassen sich dann treiben.

Eine erfrischende Abkühlung bei der Hitze.
Am nächsten Tag haben wir dann das Deutsche Museum in München besichtigt – echt cool, was es da alles gibt: Flugzeuge, Schiffe, eine Kopie von einer Höhle mit Steinzeithöhlenmalerei, Mathematik und viel mehr, viel zu viel für einen Tag und einen Kopf.
Vom Olympiaturm im Olympiapark haben wir dann eine wunderbare Aussicht über die ganze Stadt genossen, und den Abend am Sendlinger Tor und in Schwabing ausklingen lassen.
Und dann: Schnauze voll von Stadt und Menschenmassen, von Lärm und Hupen. 20kg Rucksack auf dem Rücken gen Süden, gen Alpen. Ein, zwei Straßenzüge die Straße entlang der Isar, dann in die Isarauen auf Trampelpfaden durch die Wiesen, durch Geröllfelder des Bergbaches.

Nach weniger als einer Stunde ist die Großstadt fast vergessen. Mal an der Isar, mal oberhalb der Isar durch den Wald, immer weiter, immer weiter ins Grüne, immer weiter zu den Alpen. Nach 25km ist dann irgendwann Schluss. Aus. Vorbei.

Ich mag nicht mehr, und wir laufen nicht mehr weiter, sondern suchen uns ein Zimmer.
Aber mal zu Fuß über oder durch die Alpen – das wär mal was :)
Der nächste Tag ist dann wieder gechillter: Wir haben eingesehen, dass wir in drei Tagen nicht bis zu den Alpen gelangen werden, und gehen stattdessen zu den Isarstränden: Schwimmen in der Isar. Mit der Strömung schwimmen geht unglaublich schnell, gegen die Strömung schwimmen ist (mir) unmöglich. Schließlich reißt einen der Fluss auch so im stehen fast um.
Freitag dann mit der S-bahn zum Starnberger See. Irgendwie ist der Chiemsee schöner, aber wir sehen am Horizont Berge. Alpen. Schön. Abends dann zurück in München, in der Fußgängerzone stehen bestimmt hundert Menschen um eine Musiktruppe mit Flügel, Chello, Kontrabass, Geige und Querflöte versammelt und hören begeistert den bekannten klassischen Stücken zu. Technisch nicht perfekt, aber dafür mit Leidenschaft gespielt. Bis…es donnert und blitz und regnet und gießt und pladdert. Weltuntergang und so. Obwohl wir unter einem 40m langen Überbau stehen, peitscht uns der Regen nur so um die Ohren. Der arme Flügel. Und nach dem Unwetter ist es plötzlich kalt, wir gammeln bis um 2 Uhr in der Frühe am Bahnhof rum, dann kommt der Zug. Erst mal nach Augsburg, der RE ist gut gefüllt, erstaunlich, wie viele Leute so billig durch Deutschland reisen, viele davon fahren bis NRW weiter. Mein Rucksack ist mittlerweile leicht geworden, alle Klamotten (Top, Tshirt, Pulli1, Pulli2, Jacke) haben wir übereinander gezogen und es ist immer noch kalt. In Treuchtlingen 40 Minuten Aufenthalt, doch der Zug steht schon da, alle staunen: Alles 1. Klasse Abteile. Doch irgendwann entdecken die ersten die Pappschilder an den Türen: 2. Klasse. Müffelnde, alte 1. Klasse Abteile aneinandergekoppelt, immerhin sind da drei Sitze nebeneinander. Schlafen. Es ist schließlich schon um drei Uhr in der Frühe. Aber nicht der Wecker weckt uns, sondern die Kälte. Eisig. Warum hab ich keine Decke dabei? *klapper*
Im nächsten Zug reißen erfahrene Nachtfahrer erstmal die Fenster auf, schicken uns ins nächste Abteil und meinen „Stellt halt die Heizung hoch, wenn ihr friert“. Gesagt, getan.
Umsteigen in Würzburg, Hanau, Friedberg, Gießen, Köln und dann: zu Hause. Müde und erschöpft. Aber was erlebt.

Nachtrag: Die Bayern sind ja schon komisch – so was gibt es sonst nirgends, oder?

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